Was sind endokrine Tumore?

Endokrine Tumore sind Geschwulste hormonbildender Drüsen. Man unterscheidet gutartige und bösartige Tumore. Manche endokrine Tumore bilden Botenstoffe, die einerseits zu Beschwerden führen können und andererseits zur Labor-Diagnose und Verlaufskontrolle genutzt werden können.

Beispiele für durch Hormone verursachte Beschwerden sind Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Gewichtsveränderungen oder Osteoporose.

Da endokrine Tumore zum Teil sehr selten sind, bedürfen betroffene Patienten einer spezialisierten und in aller Regel interdisziplinären Diagnostik und Behandlung.

Für Sie als Patientin/Patient oder Angehörige/Angehöriger ist es entscheidend, die jeweilige Erkrankung gut zu verstehen, daher bieten wir Ihnen hier weiterführende Informationen.

Während die meisten Tumore der Nebenniere gutartig sind, stellen insbesondere bösartige Nebennierentumore (Nebennierenkarzinom, bösartiges Phäochromozytom) eine Herausforderung dar.

Wir sind in Südbayern, den angrenzenden Regionen und darüber hinaus qualifizierter Ansprechpartner für Patienten mit Nebennierenkarzinom und bösartigem Phäochromozytom und bieten eine niederschwellige Kontaktaufnahme mit unseren Spezialisten an.

Das Nebennierenrindenkarzinom (englisch: adrenocortical carcinoma, ACC) ist ein seltener hoch-maligner Tumor mit in vielen Fällen eher ungünstiger Prognose.

Eine rasche Diagnostik und Therapieeinleitung ist daher entscheidend.

Das klinische Erscheinungsbild wird bestimmt durch die endokrine Aktivität des Tumors bzw. die Tumorgröße. Die häufigste endokrine Störung ist die autonome Glukokortikoidsekretion mit Ausbildung eines Cushing-Syndroms, gefolgt von der gesteigerten Produktion männlicher Hormone mit daraus entstehender Virilisierung (z.B. vermehrtem Haarwuchs). Bei endokrin inaktiven Tumoren führen in der Regel erst die Symptome der lokalen Verdrängung zur Diagnosestellung. Dies hat zur Folge, dass der Tumor häufig erst in einem bereits weit fortgeschrittenen Stadium mit lokaler Invasion oder Fernmetastasierung erkannt wird.

Es muss immer eine ausführliche hormonelle Diagnostik und eine Bildgebung mittels Kontrastmittel-CT (z.T. in Kombination mit einem FDG-PET) erfolgen.

Diese dient der Einschätzung der Ausbreitung des Tumors (Staging) und dem Nachweis oder Ausschluss von Absiedelungen (Metastasen). Die Ausbreitung wird nach den ENS@T-Stadium klassifiziert.

Die operative Therapie mit der vollständigen Entfernung des Primärtumors steht im Vordergrund aller Stadien I-III. Wegen der hohen Rezidivrate wird in den meisten Fällen eine adjuvante Therapie mit Mitotane empfohlen. 

In Abhängigkeit von der Tumorgröße und des histologischen Befundes wird mitunter eine Tumorbettbestrahlung erwogen werden. Für eine Chemotherapie sind eine Vielzahl von zytostatisch wirksamen Substanzen mit unterschiedlichen Ansprechraten publiziert. Aktuelle leitliniengemäße Erstlinientherapie ist die Kombination von Etoposid, Doxorubicin, Cisplatin und Mitotane. In vielen Fällen ist eine Teilnahme an klinischen Studien sinnvoll und möglich.

Bei jedem Patient sollte im weiteren Verlauf alle 3 Monate eine Kontrolluntersuchung (Restaging) durchgeführt werden, einschließlich Evaluierung des Hormonstatus als Tumormarker und Durchführung einer Schnittbildgebung (CT/MRT) von Thorax und Abdomen. Nach 2 Jahren Tumorfreiheit kann das Intervall auf ein halbes Jahr erweitert werden, wegen der häufigen Rezidive sollte dies aber für mindestens weitere 3 Jahre erfolgen.


TEAM

PD Dr. Matthias Auer, Dr. Ulrike Disko

Ziemssenstr.5
80336 München

Anfragen von ärztlichen Kolleginnen und Kollegen über das Zuweiserportal:

MED4 Zuweiserportal (it-zuweiserportal.de)

Phäochromozytome entwickeln sich in den chromaffinen Zellen im Nebennierenmark. Paragangliome entstehen in den extraadrenalen Paraganglien. In den Zellen dieser Organe werden Hormone gebildet, welche einen Blutdruckanstieg auslösen. Diese werden Katecholamine genannt.

Die Inzidenz der Erkrankung beträgt ca. 2 pro 1 Million Einwohner und Jahr. Diese Angaben sind allerdings wahrscheinlich zu niedrig, da Phäochromozytome schwierig zu diagnostizieren sind und lange Zeit unerkannt bleiben können. Hinweisend auf das Vorliegen eines Phäochromocytoms können Blutdruckanstiege bei Prämedikation oder Narkose, Blutdruckanstieg während einer Operation oder einer invasiven Diagnostik sein.

Lediglich ein Teil der Patienten (ca. 50%) mit Phäochromozytom zeigt typische Hochdruckattacken, die oft durch physische Anstrengungen verursacht werden. Der Blutdruck kann dabei Werte über 300 mmHg erreichen Die Attacken dauern zwischen 5 und 10 min. Bei einem Teil der Patienten kommt es nicht zu anfallsartigen Blutdruckkrisen, sondern es liegt eine Dauerhypertonie (ständig erhöhter Blutdruck) vor. Weitere Symptome sind Herzrhythmusstörungen, Kopfschmerzen, Schwitzen, Schwindel, Nervosität, Gewichtsverlust und Blässe.

Die Erkrankung kann nachgewiesen werden durch eine Bestimmung der Katecholamine und deren Abbauprodukte im Urin oder Serum.

Im Rahmen klinischer Studien kann eine weitergehende Labordiagnostik vorgenommen werden.

Die Tumoren können durch eine nuklearmedizinische Untersuchung (DOPA-PET/CT) sichtbar gemacht werden. Diese Untersuchung ist für das Phäochromozytom hochspezifisch und kann die meisten Phäochromozytome darstellen. Etwa ein Drittel aller Phäochromozytome ist auf genetische Veränderungen zurückzuführen. In vielen Fällen kann deswegen eine genetische Diagnostik sinnvoll sein.

Ist die Diagnose gestellt, müssen vor einer operativen Behandlung Medikamente gegeben werden welche an den Rezeptoren für die Katecholamine binden, um dadurch die Wirkungsübertragung der Hormone zu verhindern. Diese Medikamente werden Alphablocker genannt, der typische Vertreter heißt Phenoxybenzamin.

Phäochromozytome können konventionell (offenes Verfahren) oder endoskopisch (Schlüssellochtechnik) entfernt werden (Siehe auch operative Therapie). Bis zu einer Größe von 8 cm ist für uns der endoskopische Zugang das Verfahren der Wahl.

Regelmäßige Verlaufskontrollen (in der Regel einmal jährlich) sollten wahrgenommen werden.


Malignes Phäochromozytom

In etwa 5-10 % können Phäochromozytome bösartig werden. Diese Diagnose kann nur aufgrund einer lokalen Tumorinvasion (Einwachsen des Tumors in die Umgebung) oder durch Nachweis von Metastasen (Tochtergeschwulste) gestellt werden. Der klinische Verlauf der Krankheit kann sowohl schnell und aggressiv als auch langsam und eher gutartig sein. Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt zwischen 35 und 60%.

Maligne Phäochrmozytome sollten chirurgisch therapiert werden. Dabei ist jedoch der Einsatz der laparoskopischen Chirurgie kontraindiziert. Bei nicht resektablen, symptomatischen Tumoren oder Tumormetastasen ist eine medikamentöse Langzeittherapie mit Alpha-Blockern indiziert. In vielen Fällen können auch nuklearmedizinische Verfahren zum Einsatz kommen. Über die Behandlung mit Chemotherapeutika gibt es bisher nur wenig Daten.


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PD Dr. Matthias Auer, Dr. Ulrike Disko

Ziemssenstr.5
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MED4 Zuweiserportal (it-zuweiserportal.de)

Als primären Hyperaldosteronismus (Conn-Syndrom) bezeichnet man eine Erkrankung der Nebennieren, bei der eine Überproduktion des Nebennierenhormons Aldosteron vorliegt. Aldosteron wird in der äußersten Schicht (Zona glomerulosa) der Nebennierenrinde gebildet und ist maßgeblich an der Regulation des Wasser- und Salzhaushalt des Körpers beteiligt. Durch den Effekt auf den Ionentransport in der Niere führt es zur Ausscheidung von Kalium und zur Rückresorption von Natrium und Wasser.

Die Leitsymptome des Conn-Syndroms sind schlecht einstellbarer Bluthochdruck (trotz drei oder mehr Blutdruckmedikamenten) und die Erniedrigung des Blut-Kalium-Spiegels

Das Münchner Conn-Zentrum ist das größte in Deutschland und das drittgrößte weltweit. Eine besondere Expertise ist in der frühzeitigen Diagnosestellung und der Katheter-gestützten Subtyp-Bestimmung vorhanden. In München ist das Deutsche Conn-Register ansässig.

Die Hauptursache für das Conn-Syndrom ist in München das Aldosteron produzierende Adenom (Conn-Adenom), welches bei ca. 2/3 aller Fälle ursächlich ist. Bei diesen Patienten wird in der Regel die betroffene Nebenniere minimal-invasiv operativ entfernt, wodurch die Erkrankung geheilt oder aber zumindest der Bluthockdruck verbessert werden kann.

Seltener ist die bilaterale Nebennierenhyperplasie, d.h. eine mikroskopische Vergrößerung beider Nebennieren, welche für ca. 1/3 aller Fälle von Conn-Syndrom verantwortlich ist. In diesen Fällen erhalten die Patienten eine lebenslange medikamentöse Therapie mit dem Aldosteron-Antagonisten Spironolakton, welcher die Wirkung des bei dieser Erkrankung übermäßig viel gebildeten Hormons Aldosteron auf Rezeptorebene aufhebt. Falls eine dies nicht zu einer guten Blutdruckeinstellung ausreicht, können weitere blutdrucksenkende Medikamente zusätzlich gegeben werden.

Das adrenale Cushing-Syndrom, in 30 % der Fälle ein Adenom oder auch Karzinom der Nebennierenrinde mit autonomer, von der Hypophyse unabhängiger Steroidproduktion.

Die subjektiv empfundenen Beschwerden bestehen z.B. in einer deutlichen Gewichtszunahme, einer Muskelschwäche oder Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule aufgrund einer Osteoporose. Der Untersuchungsbefund zeigt in vielen Fälle ein sog. "Mondgesicht", eine Stammfettsucht und Hautveränderungen. Häufig entwickelt sich außerdem ein Diabetes mellitus und ein Bluthochdruck.

Abhängig von der Ursache des Cushing-Syndroms ist entweder eine Behandlung der Hypophyse oder der Nebennieren erforderlich. Die Entfernung einer Nebenniere ist indiziert, wenn es sich um ein Adenom oder Karzinom der Nebennierenrinde handelt. In seltenen Fällen besteht bei hypophysärem Cushing-Syndrom und unbefriedigendem Therapieerfolg auf der Ebene der Hirnanhangdrüse die Indikation zur beidseitigen Entfernung der Nebenniere.

Inzidentalome sind Nebennierentumoren, die zufällig im Rahmen anderer Untersuchungen entdeckt werden. Das Inzidentalom der Nebenniere ist zwar häufig, es hat aber nur ausnahmsweise Krankheitswert. Die häufigsten Tumore sind Zysten, Lipome, Adenome oder evtl. Karzinome, Ganglioneurome, Hämangiome, Pseudozysten als Folge von NN-Hämatomen und Myelolipome (Tumoren aus Fettzellen und blutbildenden Anteilen).

Zur Klärung einer Operationsindikation müssen sorgfältige endokrinologische Untersuchungen durchgeführt werden, um hormoninaktive von hormonaktiven Läsionen zu differenzieren (Ausschluss/Nachweis einer Gluko-/Mineralokortikoid- oder Katecholaminsekretion). Im Rahmen klinischer Studien kann eine weitergehende Labordiagnostik vorgenommen werden.

Bildgebende Verfahren (CT-Diagnostik, Kernspintomographie, PET, szintigraphische Untersuchungen) können weitere Hinweise auf die Art des Tumors oder ggfs. das Malignitätsrisiko geben.

Eine Probeentnahme aus dem Tumor (z.B. durch CT- oder sonographiegesteuerte Punktion) ist hingegen in aller Regel nicht erforderlich, da mit dieser Untersuchung die Unterscheidung zwischen Adenom und Karzinom nicht mit hinreichender Sicherheit getroffen werden kann. Eine Ausnahme hiervon kann die Abklärung metastatischer Absiedelungen (Tochtergeschwülste anderer Tumoren) sein, wenn von der Diagnose das weitere Vorgehen abhängt. Ein Phäochromozytom muss jedoch in diesem Fall sicher ausgeschlossen sein, da es ansonsten durch die Manipulation am Tumor zu Blutdruckkrisen kommen kann.

Folgende Kliniken wirken im Zentrum für Endokrine Tumore (ZET) zusammen: