Allgemeine und ambulante Kinder-Chirurgie

Überblick

Das Behandlungsspektrum der Sprechstunde für allgemeine und ambulante Kinderchirurgie umfasst unter anderem folgende Krankheitsbilder:  Hernien: Leistenhernie, epigastrische Hernie, Nabelhernie, Hydrozele, Hodenhochstand, Phimose, nässender Nabel, schnellender Daumen, Biopsien, Nävus, Halszysten, Dermoidzyste, Fingeranhängsel, Ohranhängsel.  Soweit es möglich ist, kommen hierbei minimal-invasive Methoden zum Einsatz. Die meisten dieser Operationen führen wir ambulant durch, so dass unsere Patienten auf der Tagesstation von speziell ausgebildeten Pflegefachkräften versorgt werden und am selben Tag nach Hause entlassen werden können.

Ein Hydrocephalus bezeichnet eine Imbalance aus Hirnwasserproduktion (Liquor) und dessen Resorption. Bei Neugeborenen und Säuglingen mit noch offener Fontanelle kommt es durch das vermehrte Anfallen von Liquor zu einem zu schnellen Kopfwachstum, bei größeren Kindern führt der Hydrocephalus zu einem Anstieg des Druckes im Schädelinneren und damit auf das Gehirn. Vor allem bei einem akuten Auftreten kann ein Hydrocephalus die Gesundheit des Kindes bedrohen, weshalb bei entsprechenden Symptomen einer Hirndrucksteigerung unmittelbar eine weiterführende Diagnostik und Therapie eingeleitet werden muss. Zu den häufigsten Ursachen eines Hydrocephalus zählen eine Hirnblutung im Rahmen einer Frühgeburtlichkeit (posthämorrhagischer Hydrozephalus), Entzündungen des Gehirns (Encephalitis, Menigitis), Tumore und Schädel-Hirn-Traumata.

In unserer Klinik stehen sämtliche moderne Verfahren der zerebralen Bildgebung zur Verfügung einschließlich dem hoch auflösenden Ultraschall, Computertomographie und das MRT.

Therapeutisch stehen uns implantierbare Ventile zur Verfügung. Diese Ventile leiten den Liquor aus dem Liquorsystem im Kopf meist in die Bauchhöhle ab, so dass kein erhöhter Druck auf dem Gehirn lastet. Seit 2004 verwenden wir gravitationsgestützte Ventile, die die natürlichen Druckschwankungen im Gehirn bei Lageveränderungen nachempfinden. In ausgewählten Fällen werden auch endoskopische Verfahren der Therapie des Hydrozephalus durchgeführt.

 Links ein Patient mit einem ausgeprägten Trigonocephalus. Der selbe Patient auf der rechten Seite nach einer operativen             Korrektur. 

Bei einer Kraniosynostose handelt es sich um einen vorzeitigen Verschluss einer oder mehrerer Schädelnähte. Bei Geburt sind die Schädelnähte physiologisch offen und verknöchern dann im Verlauf der ersten Lebensjahre in einer bestimmten Reihenfolge. Bei einem vorzeitigen Verschluss einer Schädelnaht kommt es klinisch zu einem Fehlwachstum des Schädels. In den meisten Fällen (80%) treten Kraniosynostosen isoliert und „spontan“ auf; d.h. es läßt sich keine eindeutige Ursache für das Auftreten finden. Ein geringer Anteil der Nahtsynostosen beruht auf einer genetisch nachweisbaren Veränderung; bei diesen Patienten liegt oftmals eine syndromale Form vor. Die häufigsten Syndrome, welche mit einer Nahtsynostose assoziiert sind, sind unter anderem der Morbus Crouzon, Morbus Apert und Morbus Pfeiffer.

Die häufigste Form der oftmals bereits angeborenen Nahtsynostosen ist der Scaphozephalus („Kahnschädel“), bei welchem durch den Verschluss der Sagittalnaht eine längliche, sehr schmale Kopfform auffällt. Ein prämaturer Verschluss der Metopicanaht führt zu einem dreiecksförmigen Schädel (Trigonocephalus). Die paarig angelegte Coronarnaht kann ein- oder beidseitig zu früh verknöchern und zum Plagio- beziehungsweise zum Turrizephalus (Turmschädel) führen. Eine vorzeitige Verknöcherung der ebenfalls paarig angelegten Lambdanähte ist extrem selten und führt zum Brachycephalus beziehungsweise zum Plagiocephalus.

Im Gegensatz zum lagerungsbedingten Plagiocephalus kann man die prämature Nahtsynostose nur operativ therapieren. Während bei isolierten Nahtsynostosen oftmals das kosmetische Erscheinungsbild im Vordergrund steht, stehen bei dem gleichzeitigen Vorliegen von mehr als einer Nahtsynostose medizinische Gründe wie drohender Abbruch des Schädelwachstums mit Entwicklung einer Hirndrucksymptomatik im Vordergrund. Die komplexen Kraniosynostosen werden an unserer Klinik in enger Zusammenarbeit mit Herrn PD Dr. med. M. Kunz (Kinderneurochirurgie Klinikum Großhadern) und Dr. med. Dr. med. dent. G. Mast (Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Klinikum Innenstadt) evaluiert und behandelt.

Kinderneurochirurgie
Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie Klinikum Innenstadt

Die Myelomeningo- und Enzephalozelen zählen zu den sogenannten dysraphische Störungen. Dabei wird der Kanal, in dem das Rückenmark verläuft, bzw. der Schädelknochen in der Embryonalperiode nicht vollständig verschlossen. Dadurch liegen in dem betroffenen Areal die Nerven 'frei'; abhängig von der Höhe der Läsion kommt es zu Nerven- und Muskellähmungen. Aufgrund der Nervenschädigung liegen bei diesen Patienten häufig Probleme im Bereich der Blasen- und Mastdarmentleerung sowie begleitende urologische Probleme vor. Viele Patienten benötigen zusätzlich eine Therapie des oftmals begleitenden Hydrozephalus. Auch orthopädische Probleme treten in den meisten Fällen auf. Aufgrund langjähriger Erfahrung betreuen wir Patienten mit dysraphischen Störungen in enger Zusammenarbeit mit den jeweiligen Disziplinen wie Kinderurologen, Kinderorthopäden, päd. Neurochirurgen sowie den Neuropädiatern der LMU.

Aufgrund der Komplexität der Erkrankung findet am LMU-Klinikum unter Leitung der Neuropädiatrie (PPD Dr. K. Vill) in regelmäßigen Abständen das „Dysraphie-Board“ statt, in welchem Patienten mit dysraphischen Störungen interdisziplinär besprochen und weitere Therapieschritte geplant werden.

Schwerverletze, polytraumatisierte Kinder mit schweren Schädel-Hirn-Traumata werden gemeinsam mit den Kollegen der interdisziplinären Intensivstation KIPS sowie den Kollegen der Neuropädiatrie behandelt. Es stehen sämtliche moderne Verfahren zur Behandlung des erhöhten intrakraniellen Druckes einschließlich Hirngewebedruckmessung zur Verfügung. Entlastungskraniotomien werden durchgeführt, die entnommenen Knochendeckel replantiert oder auf Ersatzverfahren zurückgegriffen (CAD gestützte Kalottenersatzmaterialien, z.B. Fine Ceramic).
Ein lagerungsbedingter Plagiocephalus bezeichnet eine gutartige Schädelasymmetrie, welche im frühen Säuglingsalter auftritt. In den meisten Fällen liegt bei den Patienten eine Kopfvorzugshaltung zu einer Seite vor, so dass es auf dieser Seite zu einer lagerungsbedingten Abflachung kommt. Verbringt der Säugling viel Zeit in Rückenlage und liegt der Kopf dabei die meiste Zeit in Mittelstellung, kann es zu einer mittigen Abflachung des Hinterkopfes kommen (sog. Lagerungsbedingter Brachycephalus, „Kurzschädel“).
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 Dr. med. Jakob Mühling

Dr. med. Christiane Zeller

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