Therapie

Die Transurethrale Resektion der Harnblase (TUR-B)

Für die Therapie von nicht-muskelinvasiven Blasentumoren steht die transurethrale Resektion der Blase (TUR-B) zur Verfügung. Eine transurethrale Resektion der Harnblase (hier wird der Tumor über die Harnröhre mit Hilfe einer Elektroschlinge entfernt) wird nach Nachweis eines Tumors in der vorangegangenen Blasenspiegelung durchgeführt. Bei diesem Verfahren wird zum einen Gewebe zur genauen Diagnosestellung gewonnen und zusätzlich die Tiefenausdehnung und die Aggressivität eines Tumors bestimmt.

Zum anderen stellt die TUR-B die primäre Therapie eines oberflächlich wachsenden Harnblasentumors dar. Hierbei wird versucht alle nicht-muskelinvasiven Tumoren in der Harnblase zu entfernen.

Die Prognose eines Tumors hängt nun von der Tumoraggressivität, dem G-Stadium, bzw. der lokalen Tiefenausdehnung, dem T-Stadium, des Tumors sowie von einer möglichen Metastasierung, dem M-Stadium, ab. Das hierzu verwendete System wird als TNM-Klassifikation bezeichnet.

Bei den weniger aggressiven (sog. low grade), nicht-muskelinvasiven Tumoren steht die hohe Rezidivrate, die mit bis zu 50-70% für die ersten 2 Jahre nach Erstdiagnose angegeben wird, im Vordergrund.

In seltenen Fällen kann es durch das Einführen des Resektoskopschaftes zu einer Verletzung der Harnröhre kommen, die in der Folge zu einer Harnröhrenverengung führen kann. Auch ist eine bakterielle Infektion der Harnwege bei diesem Eingriff möglich, so dass ggf. eine antibiotische Behandlung notwendig wird. Bei der Resektion eines Tumors kann es in sehr seltenen Fällen zu einer Verletzung und ggf. Perforation der Harnblase kommen, die entsprechend behandelt werden müsste.

Hinweis: Dieser Abschnitt kann nur einen kurzen Abriss über die wichtigsten Risiken, Nebenwirkungen und Komplikationen geben und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. In einem ausführlichen Gespräch können wir Ihnen gerne weitere Fragen beantworten.

Vorbereitung zur Operation

Bei einem Eingriff unter Narkose kann man normalerweise bis 24 Uhr am Vortag wie üblich essen und trinken; empfehlenswert ist ein leichtes Abendessen. Am Tag vor der Operation wird keine besondere Desinfektion des Eingriffsortes vorgenommen; dies geschieht im OP-Saal kurz vor der Operation.

Narkose

Als Narkose wird meist eine Teilnarkose (Rückenmarksnarkose, Spinalanästhesie) angewandt, welche für den Patienten besonders schonend ist. Auch kann der Eingriff unter Verwendung einer Vollnarkose erfolgen, wenn dies medizinisch notwendig ist bzw. ein entsprechender Patientenwunsch vorliegt. Der Eingriff dauert je nach Ausprägung des Tumorbefalls der Blase in der Regel zwischen 20 und 40 min, so dass die Narkose für diesen Zeitraum berechnet wird.

Nach dem Eingriff

Nach dem Eingriff wird in der Regel ein Katheter gelegt welcher je nach Befundgröße für 1 bis 2 Tage belassen wird. Zudem wird während der Operation entschieden, ob eine sog. Frühinstillation mit einem Chemotherapeutikum in die Harnblase, durchgeführt werden soll. Nach dem Eingriff werden Sie wieder zurück auf die Station gebracht und können nach einer gewissen Zeit schon wieder normal essen und trinken.

Bildgebende Verfahren vor Durchführung einer Zystektomie

Wird nach TUR-B bzw. Blasenbiopsie ein Tumor diagnostiziert, der mittels radikaler Zystektomie behandelt werden sollte, (z.B. ein muskelinvasiver Tumor oder auch therapieresistente nicht-muskelinvasiver Tumore), werden von den aktuellen Richtlinien der Europäischen Gesellschaft für Urologie (EAU) bestimmte, bildgebende Untersuchen empfohlen.

Ziel dieser Bildgebenden Verfahren ist die Bestimmung der Tumorausbreitung (sog. Staging):

Dies dient der Bestimmung der örtlichen Tumorausbreitung, der Detektion von möglichen Lymphknotenmetastasen, sowie der Detektion einer Metastasierung in andere Organe (z.B. Leber, Lunge, Knochen etc.).

Es wird in der Regel ein Computertomogramm mit Kontrastmittel bzw. eine Magnetresonanztomographie mit Kontrastdarstellung empfohlen. Für Patienten mit histologisch bestätigtem, muskelinvasivem Tumorwachstum sollte ein CT des Thorax (Lungenbereich), des Abdomens (Bauchraums) und des kleinen Beckens mit urographischer Darstellung des kompletten Harntraktes durchgeführt werden.

Neoadjuvante Chemotherapie (Auszug aus der aktuellen S3 Leitlinie)

Die neoadjuvante Chemotherapie vor radikaler Zystektomie beinhaltet eine cisplatinbasierte Polychemotherapie, die nach der Erstdiagnose eines muskelinvasiven Urothelkarzinoms unabhängig vom Lymphknotenstatus verabreicht wird. Im Anschluss an die Chemotherapie erfolgt eine radikale Zystektomie und/oder eine Radiotherapie.

Konsensbasierte Empfehlung

Bei Patienten mit muskelinvasivem Harnblasenkarzinom (≥T2) soll das Therapiekonzept multidisziplinär vor Therapiebeginn festgelegt werden.

Evidenzbasierte Empfehlung – Level of Evidence B

Eine neoadjuvante Chemotherapie sollte 3-4 Zyklen einer cisplatinhaltigen Kombinationschemotherapie beinhalten.

Konsensbasierte Empfehlung – EK

Bei der neoadjuvanten Chemotherapie soll alle 2 Zyklen ein bildgebendes Restaging erfolgen, um eine Progression auszuschließen.

Gesamtmortalität

Für den Unterschied in der Gesamtmortalität wurden 6 randomisierte kontrollierte Studien herangezogen, in denen die Gesamtmortalität nach neoadjuvanter Chemotherapie und Zystektomie mit alleiniger Zystektomie verglichen wurden. Hier wurden Studien mit Radiotherapie ausgeschlossen. Dabei zeigte sich für den Endpunkt Gesamtüberleben ein signifikanter Vorteil der neoadjuvanten Therapie mit einer Hazard ratio (HR) von 0,86 (95% Konfidenzintervall (CI) 0,75-0,98). Die relative Risikoreduktion für den Tod durch ein Harnblasenkarzinom beträgt durch die neoadjuvante Chemotherapie 14% für ein medianes Follow-Up von 6,4 Jahren.

Absolut gesehen sind im neoadjuvanten Therapiearm 541 von 1000 Patienten (95%CI 492-588) und im Kontrollarm 595 von 1000 Patienten nach einem medianen Follow-up von 6,4 Jahren verstorben (mittlere Differenz 54 von 1000 Patienten).

Der absolute Benefit beträgt 5% (95%CI 2-9%) nach 5 Jahren. Nach dem GRADE-System wird die Qualität der Evidenz (d.h. Vertrauen in die Studienergebnisse) zur neoadjuvanten Therapie in Bezug auf die Gesamtmortalität mit „moderat“ bewertet.

Im Rahmen der Meta-Analyse wurde auch untersucht, ob nach Einschluss von Patienten, die auch die radikale Radiotherapie und die Radiotherapie in Kombination mit Zystektomie als Kontrollgruppe erhielten, signifikante Unterschiede hinsichtlich der lokalen Vergleichstherapie auftreten.

Für entsprechende Unterschiede wurden keine Hinweise identifiziert. Ebenso ergaben sich bei weiteren Subgruppen (des Lymphknotenstatus (N0, N1, N2), des T-Status (T1-2, T3, T4), des Alters (<55, 55-65, ≥65), der Nierenfunktion (≤59, 60-69, >69ml/min GFR), ECOG-Performance Status (0, 1, 2-3)) keine Hinweise auf Unterschiede. Außerdem konnten Subgruppenanalysen (des Lymphknotenstatus (N0, N1, N2), des T-Status (T1-2, T3, T4), des Alters (<55, 55-65, ≥65), der Nierenfunktion (≤59, 60-69, >69ml/min GFR), des Performance Status (0, 1, 2-3), des Geschlecht oder des Gradings) keine Untergruppe definieren, die von einer neoadjuvanten Chemotherapie in Bezug auf das Gesamtüberleben besonders profitieren würden.

Dabei ist die Qualität der Evidenz (d.h. Vertrauen in die Studienergebnisse) für einzelne Subgruppenanalysen sehr niedrig. Es konnte jedoch ein differentieller Effekt in Bezug auf die Tumorgröße (<2,5cm; 2,5 – 5 cm, >5cm) gezeigt werden, der darauf hinweisen könnte, dass der Effekt der neoadjuvanten Chemotherapie mit der Tumorgröße zunimmt.

Unter Einbeziehung der JCOG0209-Studie von Kitamura et al. zeigt sich in der Analyse aller verfügbaren Studien keine wesentliche Änderung für die Gesamtmortalität.

Zusammenfassung

Insgesamt führt eine neoadjuvante Chemotherapie zu einer Reduktion der Gesamtmortalität von 14% nach 6,4 Jahren. Es gibt keine bevorzugte Kombination von Chemotherapeutika und es sollten 3-4 Zyklen gegeben werden. Nur für Kombinationstherapien mit Cisplatin gibt es belastbare Daten, also nur für Patienten mit guter Nierenfunktion (GFR > 60 ml/min/1.73 qmKO) und mit gutem Allgemeinzustand (ECOG 0-1).

Bei Vorliegen eines derartigen Tumors erfolgt die individuelle interdisziplinäre Therapieplanung gemeinsam mit den Onkologen, Strahlentherapeuten, Pathologen und Urologen in einem speziellen Tumorboard, um die bestmögliche Therapieoption anbieten zu können.

Gerne können Sie sich zur Einholung einer Zweitmeinung in unserer interdisziplinären Sprechstunde vorstellen.