Forschung und Lehre
Worum geht es in unserer Studie?
Die bakterielle Besiedlung der Geschlechtsorgane und des Darms scheint einen wesentlichen Einfluss auf die Fortpflanzungsorgane zu haben. Unsere Studie hat zum Ziel neue Zusammenhänge zwischen dem Mikrobiom, dem Metabolom und der Fruchtbarkeit zu erforschen.
Es sollen Proben von Kinderwunschpatientinnen unter hormoneller Medikation zu verschiedenen Zeitpunkten während der Kinderwunschbehandlung untersucht werden.
Was versteht man unter dem Mikrobiom und dem Metabolom?
Als Mikrobiom bezeichnet man die Gesamtheit aller Mikroorganismen (u. a. Bakterien, Viren, Pilze), die einen Makroorganismus, also etwa einen Menschen besiedeln. Mikrobiome können das Immunsystem, den Stoffwechsel und das Hormonsystem ihres Wirts, also beispielsweise einer Kinderwunschpatientin beeinflussen.
Das Metabolom, als komplexes Reaktionsnetzwerk, fasst alle charakteristischen Stoffwechsel-Eigenschaften einer Zelle bzw. eines Gewebes oder Organismus zusammen.
Dazu gehören unter anderem die Aktivitäten der einzelnen Stoffwechselwege und die Interaktionen zwischen diesen.
Warum ist dies relevant bei Fertilitätsfragen?
Aktuelle Forschungsergebnisse lassen vermuten, dass es einen Zusammenhang zwischen Unfruchtbarkeit und dem Mikrobiom gibt.
Wer kann an der Studie teilnehmen?
Es können alle Patientinnen über 18 Jahren mit hormoneller Behandlung im Rahmen einer assistierten Reproduktionstechnik (ART) eingeschlossen werden. Ihr behandelnder Arzt kann Sie bei Interesse genau aufklären, ob eine Teilnahme für Sie in Frage kommt.
Was erwartet Sie bei Teilnahme an der Studie?
Im Rahmen der Kinderwunschbehandlung werden wir mit Ihnen verschiedene Termine in unserer Klinik vereinbaren. An diesen Tagen werden Sie gebeten Stuhl- und Speichelproben mit in die Klinik zu bringen, nach vorheriger Anweisung über die korrekte Probenentnahme.
Außerdem untersuchen wir Blut und Vaginalsekret, wobei diese Proben im Rahmen der Routineuntersuchungen während Ihrer Kinderwunschbehandlung von uns entnommen werden.
Vor dem Start erhalten Sie eine ausführliche Aufklärung über die Inhalte und Abläufe der Studie und können Ihre offenen Fragen klären.
Was erwarten wir von der Studie?
Das Ziel dieser Studie ist es, Veränderungen des Mikrobioms zu entdecken und so die bereits bestehende Studienlage zu festigen und möglicherweise neue Informationen über die zugrundeliegenden Mechanismen zu erhalten. Mit den neu gewonnenen Erkenntnissen wünschen wir uns in Zukunft Kinderwunschpatientinnen zusätzlich unterstützen zu können.
Wer wertet die Proben aus?
Wir arbeiten im Rahmen dieser Studie mit Frau Dr. Melanie Schirmer zusammen, die eine Emmy Noether-Gruppe am ZIEL Institute for Food & Health der Technischen Universität München in Freising leitet. Die Proben werden von einem Team, das auf den Einfluss des Mikrobioms spezialisiert ist, untersucht und ausgewertet.
Bei Interesse oder Fragen wenden Sie sich bitte an folgenden Kontakt:
Ein Schwerpunkt unserer wissenschaftlichen Tätigkeit liegt unter anderem in der Erforschung immunologischer Ursachen für wiederholte Fehlgeburten und deren therapeutischen Möglichkeiten.
So gelang es bei Frauen mit rezidivierenden Spontanaborten (RSA) Antikörper gegen Trophoblasten (ATAK) zu identifizieren (Rogenhofer et al., Fertil Steril. 2012;97(2):361-6). Die Detektion der ATAK erfolgt im Serum mittels eines relativ aufwendigen immunometrischen Verfahrens (indirekte Durchflusszytometrie) und Zellkultur (Chorionkarzinomzellinie JEG-3). ATAK wurden bei 34% der Patientinnen mit ≥ drei Spontanaborten nachgewiesen und in 17% bei Patientinnen mit zwei Spontanaborten.
Weiterführende Arbeiten unserer Arbeitsgruppe legen nahe, dass bei RSA-Patientinnen mit auffälligen ATAK-Befunden durch sogenannte "Intralipide“ ein Benefit für den Schwangerschaftsverlauf und das Schwangerschaftsoutcome erreicht werden kann (Rogenhofer et al., Am J Reprod Immunol. 2021, http://doi.org/10.1111/aji.13506). Durch Einsatz der genannten Eiweißinfusionen konnte in der publizierten Studie die Aktivität der ATAK gesenkt und ein positiver Schwangerschaftsverlauf erzielt werden. Anzumerken ist dass es sich um erste Daten einer Pilotstudie handelt.
Der wissenschaftlichen Arbeitsgruppe des Hormon- und Kinderwunschzentrums unter Leitung von Prof. Dr. med. Nina Rogenhofer und Prof. Dr. med. Christian Thaler gelang es, einen Risikofaktor für rezidivierendes Implantationsversagen aufzudecken: der M2-Haplotyp des Annexin A5 Gens (M2/ANXA5). Diese Genvariante führt zu einer signifikant reduzierten Expression des Annexins auf der Oberfläche des Mutterkuchens (Plazenta), welche vom mütterlichen Blut umströmt wird. Es resultiert eine thrombotische Situation in der Plazenta.
In der Tat wurden kürzlich bei Vorliegen des M2/ANXA5 plazenta-assoziierte Schwangerschaftskomplikationen wie Präklampsie, Wachstumsretardierung des Fetus, Frühgeburtlichkeit und wiederholte Aborte beschrieben. In eigenen Arbeiten konnten wir den M2/ANXA5 Haplotyp als Risikofaktor für die genannten Komplikationen bestätigen. Weiterführend gelang es erstmals eine gleiche Risikoübertragung des Vaters bei M2 Trägerschaft für Wachstumsretardierung, Frühgeburtlichkeit und wiederholte Aborte nachzuweisen. Erklärt werden kann diese Tatsache dadurch, dass der M2/ANXA5 Haplotyp embryonal kodiert wird.
Nun reiht sich in unsere wissenschaftlichen Innovationen der Nachweis, dass M2/ANXA5 ein Risikofaktor für rezidivierendes Implantationsversagen (RIF) darstellt, wobei die väterliche Risikoübertragung genauso hoch ist, wie die mütterliche. Folglich sollten bei der Abklärung eines Paares mit RIF beide Partner auf die M2/ANXA5 Variante untersucht werden. Unsere Erkenntnisse wurden bereits hochrangig im wissenschaftlichen Fachjournal „Journal of Assisted Reproductive Genetics“ veröffentlicht
In ihren Arbeiten konnte die Forschungsgruppe um Prof. Rogenhofer und Prof. Thaler in Kooperation mit Prof. Markoff aus Münster Veränderungen in der plazentaren Perfusion als Abortursache sowie als Risikofaktor für Frühgeburtlichkeit, Präklampsie und Wachstumsabflachung des Fetus in späteren Schwangerschaftswochen beschreiben bzw. bestätigen (Rogenhofer et al., FertilSteril 2012; Rogenhofer et al., J Assist Reprod Genet. 2018; Bogdanova et al.,). Hierbei handelt es sich um eine Genvariante im Annexin-Gen, den sogenannten M2-Haplotyp des Annexin A5 Gens (M2/ANXA5). Diese Genvariante führt zu einer signifikant reduzierten Expression des Annexins auf der Oberfläche des Mutterkuchens (Plazenta), welche vom mütterlichen Blut umströmt wird. Es resultiert eine thrombotische Situation in der Plazenta. In der Tat führt diese Genvariante zu einem 2 bis 4-fach erhöhten Risiko für wiederholte Fehlgeburten (Rogenhofer et al. FertilSteril 2012).
Weiterführend gelang es eine gleiche Risikoübertragung des Vaters bei M2/ANXA5 - Trägerschaft für Wachstumsretardierung, Frühgeburtlichkeit und wiederholte Aborte nachzuweisen (Rogenhofer et al., J Assist Reprod Genet. 2018). Erklärt werden kann diese Tatsache dadurch, dass der M2/ANXA5 Haplotyp embryonal kodiert wird.
Die Datenlage zur therapeutischen Konsequenz bei Vorliegen des M2/ANXA5 ist dünn. Jedoch konnten wir gute Hinweise für einen Benefit von niedermolekularem Heparin in der Schwangerschaft aufzeigen (Rogenhofer et al., Clin Appl Thromb Hemost. 2017).