News | 29.09.2026
Auszeichnung für wegweisende Parkinson-Forschung

Prof. Dr. Günter Höglinger erhält den Parkinson-Preis der Bischof-Dr.-Karl-Golser-Stiftung

Präzisionsmedizin statt Einheitsdiagnose: Für seine Forschung zur klinischen und molekularen Präzisionsdiagnostik bei atypischen Parkinson-Syndromen erhält Prof. Dr. Günter Höglinger, Direktor der Neurologischen Klinik und Poliklinik des LMU Klinikums, in diesem Jahr den Forschungspreis der Bischof-Karl-Golser-Stiftung. Mit der Auszeichnung würdigt die Stiftung seine langjährigen Beiträge zu einem besseren Verständnis neurodegenerativer Erkrankungen und den Weg hin zu individualisierten Therapien.
Gruppenfoto in der barocken Bibliothek des Priesterseminars in Brixen: von links der Südtiroler Landesrat Philipp Achammer, Bischof Ivo Muser, der Preisträger Prof. Günter Höglinger, die Präsidentin der Stiftung Frau Prof. Alessandra Fanciulli.

Parkinson ist nicht gleich Parkinson. Hinter ähnlichen Symptomen können sich unterschiedliche Erkrankungen mit jeweils eigenen biologischen Ursachen und Verläufen verbergen. Besonders die sogenannten atypischen Parkinson-Syndrome – etwa die Progressive Supranukleäre Blickparese (PSP), die Multisystematrophie (MSA) oder das kortikobasale Syndrom (CBS) – stellen Ärztinnen und Ärzte bis heute vor große diagnostische Herausforderungen. Gerade in frühen Krankheitsstadien lassen sich diese Erkrankungen klinisch oft nur schwer voneinander unterscheiden.

Der Schlüssel liegt in der biologischen Präzisionsdiagnostik

Die Forschungsarbeiten von Prof. Höglinger verfolgen das Ziel, diese diagnostische Lücke zu schließen. Statt sich ausschließlich auf klinische Symptome zu verlassen, verbindet sein Team moderne Biomarker aus Blut, Liquor und Gewebe mit hochauflösender Bildgebung sowie molekularen Analysen. Dadurch soll die zugrunde liegende Erkrankung möglichst früh und präzise identifiziert werden – lange bevor typische klinische Merkmale vollständig ausgeprägt sind.

Dieser Paradigmenwechsel von einer symptomorientierten hin zu einer biologisch fundierten Diagnostik gilt als eine der wichtigsten Entwicklungen der modernen Parkinson-Forschung. Denn nur wenn die biologischen Ursachen einer Erkrankung zuverlässig erkannt werden, können neue Therapien gezielt bei den Patientinnen und Patienten eingesetzt werden, die tatsächlich davon profitieren.

Grundlage für zukünftige Therapien

Während heutige Medikamente vor allem Beschwerden lindern, arbeiten Forschende weltweit an krankheitsmodifizierenden Therapien, die den Krankheitsprozess selbst verlangsamen oder aufhalten sollen. Für deren Entwicklung sind präzise diagnostische Verfahren unverzichtbar. Nur so können Patientinnen und Patienten frühzeitig identifiziert und passend zu den jeweiligen molekularen Krankheitsmechanismen in klinische Studien eingeschlossen werden.

Die Arbeiten von Prof. Höglinger leisten hierzu einen wesentlichen Beitrag. Seine Forschungsgruppe entwickelt neue diagnostische Strategien für atypische Parkinson-Syndrome und untersucht gleichzeitig die biologischen Mechanismen, die den unterschiedlichen Krankheitsverläufen zugrunde liegen. Ziel ist es, den Übergang von einer allgemeinen Behandlung hin zu einer personalisierten Neurologie zu ermöglichen.

Internationale Forschung mit Wirkung

Die Forschung von Prof. Höglinger ist international vernetzt und reicht von der Grundlagenwissenschaft bis zur klinischen Anwendung. Gemeinsam mit Partnern weltweit entwickelt die Neurologische Klinik des LMU Klinikums neue Biomarker, beteiligt sich an internationalen Therapiestudien und arbeitet an biologischen Klassifikationssystemen für Parkinson-Erkrankungen. Diese Ansätze sollen künftig nicht nur eine frühere und präzisere Diagnose ermöglichen, sondern auch die Entwicklung wirksamer krankheitsmodifizierender Therapien beschleunigen.

Mit der Verleihung des Forschungspreises der Bischof-Dr.-Karl-Golser-Stiftung werden diese wissenschaftlichen Leistungen gewürdigt. Zugleich unterstreicht die Auszeichnung die wachsende Bedeutung der Präzisionsmedizin in der Neurologie – und die Hoffnung, dass eine immer genauere molekulare Charakterisierung neurodegenerativer Erkrankungen den Weg zu wirksameren und individuell zugeschnittenen Therapien ebnen wird.


Pressemitteilung der Stiftung: https://www.bz-bx.net/de/news/detail/bischof-golser-parkinson-preis-an-guenter-hoeglinger-verliehen.html 

Die Bischof Dr. Karl Golser Stiftung

Namensgeber der Stiftung ist Karl Golser, der von 2009 bis 2011 Bischof der Diözese Bozen-Brixen war. Bischof Dr. Karl Golser hat sich als Professor für Moraltheologie eingehend mit den ethischen Fragen des Lebens im Allgemeinen und des kranken Menschen im Besonderen befasst.

Aufgrund eines atypischen Parkinson-Syndroms musste er sein Amt 2011 aus gesundheitlichen Gründen zurücklegen. Er starb 2016 in Brixen. Die Bischof-Dr.-Karl-Golser-Stiftung wurde 2015 noch zu Golsers Lebzeiten gegründet.

Die Stiftung hat den Zweck, Menschen, die an einem atypischen Parkinson-Syndrom - wie Bischof Dr. Karl Golser - leiden und allen, die sie begleiten, medizinische Informationen zu vermitteln und gleichzeitig die wissenschaftliche Erforschung der Krankheit und die Entwicklungen entsprechender therapeutischer Maßnahmen zu fördern.

Kontakt

Prof. Dr. med. Günter Höglinger

Direktor der Neurologischen Klinik, LMU Klinikum