Pressemitteilungen | 29.07.2026

LMU Klinikum gründet Zentrum für Kognitive Störungen

Die Neurologische Klinik und Poliklinik, das Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung und die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie bündeln ihre Expertise
Menschen in Frühstadien neurodegenerativer Demenzerkrankungen und andere kognitiven Beeinträchtigungen zu identifizieren, interdisziplinär zu diagnostizieren, ihnen innovative Therapien anzubieten und ihnen den Zugang zu klinischen Studien zu ermöglichen – das ist das Ziel des neuen Zentrums für Kognitive Störungen am LMU Klinikum. Darin bündeln die Neurologische Klinik und Poliklinik, das Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung und die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie ihre Expertise für eine moderne und patientenzentrierte Versorgung. Je nach Krankheitsbild unterstützen weitere Fachgebiete bei der Diagnostik, darunter Radiologie und Neuroradiologie, Nuklearmedizin sowie Laboratoriumsmedizin. 
Am 28. Juli fand die Auftaktveranstaltung des neuen Zentrums für Kognitive Störungen im Alois Alzheimer Saal der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am LMU Klinikum statt.
Prof. Dr. Martin Dichgans
Prof. Dr. Martin Dichgans

„Kognitive Erkrankungen sind oft komplex. Gute Diagnostik und Behandlung gelingen deshalb nur, wenn die beteiligten Fachrichtungen eng zusammenarbeiten“, sagt Prof. Dr. Martin Dichgans, Direktor des Instituts für Schlaganfall- und Demenzforschung (ISD) am LMU Klinikum. „Mit dem neuen Zentrum schaffen wir dafür feste Strukturen und gemeinsame Abläufe, um Patienten mit kognitiven Störungen noch schneller und besser zu versorgen.“

Die beteiligten Einrichtungen arbeiten künftig noch enger in den Bereichen Diagnostik, Therapie und Forschung zusammen. Durch abgestimmte Prozesse und kurze Kommunikationswege sollen komplexe Fragestellungen schneller gemeinsam bearbeitet und neue Erkenntnisse rascher in die Versorgung übertragen werden. Für Patienten und Zuweiser bleiben die bisherigen Ansprechpartner und Zugangswege bestehen.

Neue Therapien sollen schneller bei den Patienten ankommen

Ein Schwerpunkt des Zentrums ist die Einführung neuer Diagnose- und Behandlungsmethoden. Dazu gehören auch neue Amyloid-Antikörper-Therapien für ausgewählte Patientinnen und Patienten mit früher Alzheimer-Krankheit (siehe Patientengeschichte: Neue Behandlungsmöglichkeiten bei Alzheimer | LMU Klinikum). Diese Therapien stellen hohe Anforderungen an Auswahl, Diagnostik und Überwachung. Deshalb arbeiten die beteiligten Fachrichtungen nach gemeinsamen Standards. Schwierige Fälle besprechen die Expertinnen und Experten regelmäßig in interdisziplinären Konferenzen.

Prof. Dr. Günter Höglinger
Prof. Dr. Günter Höglinger

„Neue Therapien helfen nur dann, wenn sie sicher und gezielt eingesetzt werden“, sagt Prof. Dr. Günter Höglinger, Direktor der Neurologischen Klinik und Poliklinik am LMU Klinikum. „Dafür braucht es klare Abläufe, erfahrene Spezialistinnen und Spezialisten sowie eine enge Abstimmung zwischen den einzelnen Fachdisziplinen.“ Das Zentrum für Kognitive Störungen entwickelt gemeinsame diagnostische Wege und Behandlungspfade. Es überprüft diese regelmäßig und passt sie an neue wissenschaftliche Erkenntnisse und Leitlinien an.

Breites Angebot für Menschen mit kognitiven Störungen

Das Zentrum untersucht und behandelt Menschen mit subjektiven und leichten kognitiven Störungen, Demenzerkrankungen und neuropsychiatrischen Symptomen. Dazu gehören unter anderem Alzheimer-Krankheit, frontotemporale Demenz, Lewy-Körper-Krankheit, vaskuläre kognitive Störungen, Normaldruckhydrozephalus, atypische Parkinson-Syndrome sowie kognitive und Verhaltenssymptome bei anderen neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen.

Zur Diagnostik gehören je nach Fragestellung neuropsychologische Tests, Untersuchungen von Blut und Nervenwasser, moderne Bildgebung und genetische Verfahren. Die beteiligten Einrichtungen versorgen Patientinnen und Patienten ambulant und stationär. Für zuweisende Ärzte bietet das Zentrum strukturierte Abklärungen, fachübergreifende Konsile und gemeinsame Behandlungskonzepte. Ein weiteres Ziel ist eine bessere Zusammenarbeit über die Grenzen einzelner Versorgungsbereiche hinweg. Ambulante Behandlung, Akutmedizin, Rehabilitation und langfristige Betreuung sollen enger aufeinander abgestimmt werden.

Forschung und Versorgung enger verzahnen

Das Zentrum ist zugleich eine Plattform für klinische Forschung. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den beteiligten Fachgebieten sollen dort gemeinsame Projekte entwickeln. Im Mittelpunkt stehen Fragen, die für die Versorgung von Patienten unmittelbar wichtig sind. Neue Erkenntnisse sollen möglichst rasch in Diagnostik und Therapie einfließen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf neuen krankheitsverändernden Therapien bei neurodegenerativen Erkrankungen wie den Antikörpertherapien bei früher Alzheimer-Krankheit.

Prof. Dr. Robert Perneczky
Prof. Dr. Robert Perneczky

Das Zentrum beteiligt sich an klinischen Studien aller Phasen. Dazu gehören eigene wissenschaftliche Studien, nationale und internationale Verbundprojekte sowie Studien mit industriellen Partnern. „Forschung und Versorgung gehören eng zusammen“, sagt Prof. Dr. Robert Perneczky, Leiter der Abteilung für Psychische Gesundheit im Alter und des Alzheimer Therapie- und Forschungszentrums der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. „Unser Ziel ist, neue Erkenntnisse nicht nur zu gewinnen, sondern sie so schnell wie möglich sinnvoll für Patientinnen und Patienten nutzbar zu machen.“

Klare Standards und laufende Qualitätskontrolle

Das Zentrum entwickelt gemeinsame Arbeitsstandards für Diagnostik und Behandlung. Die beteiligten Fachrichtungen prüfen regelmäßig, ob die Abläufe funktionieren und wo sie verbessert werden können. Dazu dienen unter anderem interdisziplinäre Fallkonferenzen, gemeinsame Standard Operating Procedures, Qualitätskontrollen und Evaluationen sowie regelmäßige Fortbildungen. Das Zentrum will außerdem Ärzte, Patienten und die Öffentlichkeit über neue wissenschaftliche Entwicklungen und neue Behandlungsmöglichkeiten informieren.

Bilder von der Auftaktveranstaltung

Prof. Dr. Markus M. Lerch moderierte die Auftaktveranstaltung des Zentrums für Kognitive Störungen

Bernhard Seidenath, pflegepolitischer Sprecher der CSU-Landtagsfraktion, MdL

PD Dr. Katharina Bürger hielt einen Impulsvortrag zur Standortbestimmung einer modernen universitären Gedächtnisambulanz

Prof. Dr. Johannes Levin hielt einen Impulsvortrag zu Innovationen in Diagnostik und Therapie bei Kognitiven Störungen

Frau Altınışık von der Alzheimer Gesellschaft München e.V. sprach aus der Patienten- und Angehörigenperspektive

Podiumsdiskussion: „Erwartungen an das neue interdisziplinäre Zentrum aus Sicht von Betroffenen, Angehörigen, Niedergelassenen und Klinikumsmitarbeitern“

Musikalische Einlage

Die Leiter des Zentrums für Kognitive Störungen: Prof. Dr. Martin Dichgans, Prof. Dr. Robert Perneczky und Prof. Dr. Günter Höglinger (v.l.n.r.)

Dr. Sonja Schönecker, Leiterin der Ambulanz für Alzheimer Anti-Amyloid Therapien in der Neurologischen Klinik mit PD Dr. Katharina Bürger, Leiterin der Gedächtnisambulanz am ISD (rechts im Bild)

Kooperationseinrichtungen des Zentrums für Kognitive Störungen

Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung - Gedächtnisambulanz

In unserer Gedächtnissprechstunde erhalten Patienten und Risikopersonen eine umfassende Diagnostik, Beratung und Behandlung. Wir suchen nach möglichen Ursachen der Gedächtnis- und Konzentrationsproblemen im Rahmen einer spezialisierten Diagnostik und beginnen im Anschluss daran mit der Einleitung (pharmako-) therapeutischen Maßnahmen. Hierbei handeln wir stets nach den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen.


Gedächtnisambulanz ISD

Neurologische Klinik und Poliklinik - Gedächtnissprechstunde

Die kognitive Sprechstunde/Gedächtnissprechstunde versorgt Patient:innen mit Störungen der höheren Hirnleistungen wie zum Beispiel des Gedächtnisses, der sprachlichen Fähigkeiten oder des Verhaltens. Wir bieten das gesamte Spektrum der Differentialdiagnostik incl. einer großen Bandbreite etablierter und auch neuartiger neuropsychologischer Testverfahren. Den Schwerpunkt unserer Sprechstunde bildet dabei die Einordnung dementieller Syndrome. Ferner bieten wir eine Spezialsprechstunde für Patient*innen mit Trisomie 21/Down-Syndrom an zur differentialdiagnostischen Einordnung bei kognitiven Veränderungen.

Über die klinische Tätigkeit zur Diagnostik und Therapie von kognitiven Störungen/Defiziten beschäftigen wir uns mit verschiedenen wissenschaftlichen Fragestellungen in diesem Feld und kooperieren dabei mit verschiedenen nationalen und internationalen Kooperationspartnern in großen nationalen und internationalen Konsortien.

Gedächtnissprechstunde Neurologische Klinik

Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie - Alzheimer Therapie- und Forschungszentrum

Zur Früherkennung kognitiver Störungen und Differenzialdiagnose von Demenzursachen stehen uns alle diagnostischen Möglichkeiten einer modernen Universitätsklinik zur Verfügung. Das Zentrum hat langjährige Erfahrungen in der genetischen und biochemischen Diagnostik sowie mit strukturellen und funktionsdarstellenden bildgebenden Verfahren. Eine patientenorientierte, multiprofessionelle Herangehensweise ist für uns selbstverständlich. Ärzte, Psychologen, Sozialpädagogen und Pflegekräfte erarbeiten gemeinsam mit jedem Patienten einen individuellen Behandlungsplan. Das Ziel ist ein Optimum an Teilhabe, Aktivität, Selbstbestimmtheit und sozialer Integration. Wir versuchen, die Wirksamkeit der gegenwärtigen Antidementiva durch frühen Behandlungsbeginn und konsequente Weiterführung der Therapie voll auszuschöpfen. Gleichzeitig engagieren wir uns durch die Teilnahme an klinischen Arzneimittelprüfungen für die Verbesserung der medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten. Die Alzheimer Erkrankung stellt eine deutliche Beeinträchtigung des täglichen Lebens dar, wir möchten den Patienten und den Angehörigen mit unserem Wissen helfen, diese Situation zu meistern. Zur Beratung und Unterstützung der Angehörigen arbeiten wir mit der Münchner Alzheimer Gesellschaft zusammen.

Alzheimer Therapie- und Forschungszentrum

Alle LMU Klinikum Pressemitteilungen

Kontakt

Prof. Dr. med. Günter Höglinger

Direktor der Neurologischen Klinik und Poliklinik, LMU Klinikum München

Prof. Dr. med. Martin Dichgans

Direktor des Instituts für Schlaganfall- und Demenzforschung (ISD), LMU Klinikum München

Prof. Dr. med. Robert Perneczky

 Leiter der Abteilung für Psychische Gesundheit im Alter und des Alzheimer Therapie- und Forschungszentrums, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, LMU Klinikum München