Experimentelle Hörforschung

In der experimentellen Forschung befasst sich die Arbeitsgruppe mit der cochleären Mikrozirkulation. Klinisch ist ein Schwerpunkt die Rehablitation mit implantierbaren Hörsystemen.

Bei Funktionsstörungen des Innenohrs wird als gemeinsame Endstrecke eine cochleäre Mikrozirkulationsstörung diskutiert. Hierfür scheinen sowohl rheologische als auch inflammatorische Ursachen eine Rolle zu spielen. Fibrinogen beeinflusst als großes Glykoprotein der Akutphase insbesondere im Rahmen von Entzündungen die rheologoschen Eigenschaften des Blutes und führt über mikrosludging zu einer dauerhaften Verminderung der Mikrozirkulation. Darüber hinaus können im Rahmen von Entzündungsprozessen pro-inflammatorische Zytokine wie Tumornekrosefaktor (TNF) ebenfalls zu einer Reduktion des cochleären Blutvolumenstroms führen, sodass mit den beiden Ansätzen sowohl rheologische als auch inflammatorische Paradigmen integriert werden.

In vivo wurde die Fibrinogen-abhängige Beeinträchtigung der cochleären Mikrozirkulation dargestellt und ein zeitgleicher Anstieg der Hörschwelle beobachtet. Cochleärer Blutfluss und Hörschwelle korrelierten negativ [1]. Zudem gilt die Hyperfibrinogenämie als ein Risikofaktor für die Entwicklung eines Hörsturzes. Im Umkehrschluss wurde in klinischen Studien die drastischen Senkung der Plasmafibrinogen-Konzentration mittels Apherese therapeutisch eingesetzt [2]. Eine Alternative zu diesem Verfahren könnte eine medikamentöse Defibinogenierung sein [3]. Darüber hinaus werden durch unsere Arbeitsgruppe weitere potenziell otoprotektive Wirkstoffe untersucht [4]. Aktuell wird im Rahmen einer klinischen Multicenterstudie die Behandlung des Hörsturzes durch medikamentöse Defibrinogenierung geprüft.

Auch durch lokale Applikation von TNF-alpha wurde dosisabhängig eine Reduktion des cochleären Blutflusses erzielt. Dieser Effekt konnte durch die Gabe des TNF-Antagonisten Etanercept aufgehoben werden[5]. Darüber hinaus führte die Applikation von Etanercept in vivo zu einem Erhalt des Hörvermögens nach Insertionstrauma [6].

Schließlich hat sich unsere Arbeitsgruppe in der Vergangenheit mit den pharmakologischen [7] und vaskulären [8] (Abbildung 1) Wirkmechanismen von Betahistin auseinandergesetzt. Hierbei handelt es sich um Histaminanalogon, welches seit geraumer Zeit in der Therapie des M. Ménière Anwendung findet.

Abbildung 1: In Vivo Färbung von cochleären Perizyten (links) und Darstellung präkapillärer Arteriolen mittels 2-Photonen-Mikroskopie (rechts).

Klinisch beschäftigt sich die Arbeitsgruppe mit der Abgrenzung von Indikationen [6, 9-11], der Operationsplanung [11-13], speziellen ohrchirurgischen Situationen [10] sowie funktionelle Ergebnissen [6, 9, 10] und der Rehabilitation [3] von Hörsystemen.

Schon unmittelbar nach der Markteinführung des aktiven transkutanen Knochenleitungsimplantats Bonebridge konnte der Wert der intraoperativen Navigation während der Implantation gezeigt werden [12]. Auch wurden in einer der weltweit ersten Publikationen funktionelle Ergebnisse mit dem Implantat berichtet [6]. In einer prospektiven Studie konnte der Vorhersagewert der externen Knochenleitungsstimulation für das Sprachverständnis belegt werden [11], während in einer radiomorphologischen Studie verschiedene Implantations­lokalisationen evaluiert wurden [13].

Abbildung 2: Mittels externer Knochenleitungsstimulation (Mitte) lässt sich das Ergebnis eines Knochenleitungsimplantats (rechts) mit dem modifizierten Oldenburger Satztest im Vergleich zur Situation ohne Hilfsmittel (links) vorhersagen. *: p < 0,05 (ANOVA, Holm-Sidak).

Die Vibrant Soundbridge ist ein aktives Mittelohrhörsystem, dessen Nutzen bei der reinen Schallempfindungsschwerhörigkeit durch die Arbeitsgruppe untersucht wurde [9]. Neben dieser Indikation nimmt die Bedeutung der Vibrant Soundbridge für die kombinierte Schallleitungs- und -empfindungsschwerhörigkeit zu, seit die Ankopplung am runden Fenster der Cochlea beschrieben wurde [14]. Darauf aufbauend wurde von der Arbeitsgruppe dargestellt, dass auch Patienten mit tympanomastoidalen Höhlen (Radikalhöhlen) nach ausge­dehnten Cholesteatomoperationen von diesem Hörsystem profitieren können [10]. Schließlich erarbeitete die Gruppe für Patienten mit Cochlea Implantaten ein Trainingskonzept für die Verbesserung des Sprachverständnisses am Telefon [3].

Untersuchung zugrundeliegender Mechanismen von Mikrozirkulationsstörungen bei Erkrankungen des InnenohresAufklärung bestehender Wissenslücken in Wirkung und Wirkmechanismus bereits klinisch eingesetzter OtopharmakaIdentifizierung potenzieller neuer Otoprotektiva und deren potenzielle klinische AnwendungImplantierbare Hörsysteme zur Hörrehabilitation