News | 23.10.2026
Klinikdirektor und Lehrstuhlinhaber für Anaesthesiologie Professor Dr. Bernhard Zwißler verabschiedet sich

Akademische Abschiedsvorlesung von Prof. Dr. Bernhard Zwißler

Große Anerkennung erhielt der nach fast 20 Jahren scheidende Klinikchef Professor Bernhard Zwißler für seine Persönlichkeit, sein Wissen und seine fachliche Kompetenz, seine Lösungsorientiertheit, seine stets korrekt gebundenen Krawatten und die immer hervorragenden Buffets bei allen Festlichkeiten. Bestätigt hat sich jeder der genannten Punkte bei seiner Abschiedsvorlesung, organisiert vom Ärztlichen Verein München e.V. im Hörsaaltrakt des LMU Klinikums Großhadern.

LMU Präsident Professor Matthias Tschöp, der nach der Einführung von Professor Wolfgang Locher, dem Generalsekretär des Vereins, als erster ans Mikrofon trat, betonte die herausragenden Qualitäten von Professor Zwißler als Arzt, als Klinikdirektor und als Forscher. Und er lobte ihn auch für seine ausgezeichnete Lehre. Mehr als 50 Habilitationen habe er in seiner Laufbahn begleitet. Ebenfalls sehr gewichtig, inhaltlich wie auf einer Waage: Das Buch „Die Anästhesiologie“, ein Standardwerk mit über 2.400 Seiten, das Bernhard Zwißler als Mit-Herausgeber in der inzwischen vierten Auflage verantwortet. Zudem sei ihm, Tschöp, zugetragen worden, dass Zwißlers erster Abschied vom LMU Klinikum im Jahr 2003, als er nach Frankfurt an die dortige Uniklinik wechselte, mit einem großen Fest gefeiert wurde – und der Feststellung. „Wer so feiert, der darf beziehungsweise will gerne wiederkommen.“

Dekan Professor Thomas Gudermann wies auf Zwißlers Beteiligung an der Gründung der Harvard Munich Alliance hin, die er noch vor seinem Ruf nach Frankfurt mit anstieß. Diese erarbeitete damals das fortschrittlichste Curriculum für Medizinstudierende in Deutschland, das MeCuM, das auch heute noch die Grundlage für das Medizinstudium an der LMU sei. Außerdem, betonte Gudermann, sei Professor Zwißler, seit 2007 Klinikdirektor und Lehrstuhlinhaber der LMU, nebenher auch noch drei Jahre Leiter der Abteilung für Transfusionsmedizin, Zelltherapeutika und Hämostaseologie gewesen sowie für eine Übergangszeit Leiter des Instituts für Notfallmedizin und Medizinmanagement. Positiv hervorgehoben hat Gudermann auch, dass zur Anästhesie zwei Universitätsprofessuren (W2) gehören, die mit Frauen besetzt sind.

Professor Markus M. Lerch, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des LMU Klinikums stellte die außergewöhnlichen Leistungen des Anästhesisten und Intensivmediziners Zwißler während der Corona-Pandemie in den Vordergrund. Über 6.500 Corona-Patienten habe das Klinikum versorgt, darunter etwa 1.000 Intensivfälle und fast 100 ECMO-Behandlungen überwiegend durch das Team der Anästhesie. Mit einer ausgezeichneten und überdurchschnittlichen Überlebensrate. „Bei allen offiziellen Auftritten aber auch vor jedem Einschleusen in, und Ausschleusen aus dem OP, trug er immer eine korrekt gebundene Krawatte“, ergänzte Lerch. Dazu halte er sich so fit und sportlich, dass er heute noch in seinen Kommunionsanzug passe. Beachtenswert, weil er täglich mittags im Casino zum Essen geht. Und er, Professor Lerch, wisse auch, dass Bernhard Zwißler ein exzellenter Pianist sei, wofür ihm künftig ein Flügel im Eingangsbereich des LMU Klinikums, nicht ganz ohne gewisse Eigeninteressen des Vorstandes, zur Verfügung stünde.

Abschließend würdigte Professorin Carla Nau, Vizepräsidentin und Präsidentin elect der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, das Wirken von Professor Zwißler in der Fachgesellschaft, der er selbst 2017/2018 als Präsident vorstand und dessen Generalsekretär er seit 2020 ist. Und erfreut sei sie, dass er mit seiner immer um Lösungen von Problemen und sehr genauen Detailkenntnis eine Stütze der DGAI bliebe.

Abschiedsvorlesung „Anästhesie – and beyond…“

Professor Bernhard Zwißler dankte am Ende allen, die gekommen waren – mehr als 350 Gäste dürften es gewesen sein – seiner Familie, insbesondere seiner Frau Petra und seinen drei Söhnen, seiner Mutter, seinen Kolleginnen und Kollegen, Mitarbeitenden, den Organisatoren der Veranstaltung, aber auch früheren Weggefährten und seinem Vorgänger, dem im Frühjahr verstorbenen Professor Klaus Peter.

Inhaltlich ging Professor Zwißler bei seinem Vortrag zum Thema „Anästhesie – and beyond…“ auf die Vielfalt des Therapiespektrums der Anästhesiologie ein. Etwa bei der Schmerztherapie, bei der es um das Zusammenspiel von „Bio, Psycho und Sozial“ gehe. Bei der Gründung des Interdisziplinären Zentrums für Palliativmedizin am LMU Klinikum im Jahr 1999 war die Anästhesiologie eine von drei „Mutterkliniken“, neben der Neurologie und der Medizinischen Klinik III. In der Transplantationsmedizin übernehmen Anästhesisten wichtige Aufgaben: präoperativ bei der Hirntodfeststellung und der Empfängerauswahl, intraoperativ im OP und auf der Intensivstation bei der Versorgung von schwerstkranken Patienten und postoperativ bezogen auf Immunsuppression und Transplantationsimmunologie sowie das spezifische Komplikationsmanagement. In der Forschung widmen sich die Expertinnen und Experten seiner Klinik beispielsweise den Zusammenhängen von Ernährung und Sepsis oder dem Thema Schwerelosigkeit und Stress für das Immunsystem als Teil der Weltraummedizin am LMU Klinikum.

Damit endete ein spannender und informativer Vortrag und es folgte die Einladung zum gemeinsamen Get-together mit Musik und Buffet – das auch ohne Kaviar alle Erwartungen erfüllte und den Gedanken verstärkte: Wer so seinen Abschied feiert, der darf gerne wiederkommen. Und sei es nur für ein paar Klavierstücke und einen kollegialen Austausch ab dem 1. Oktober 2026, dem ersten Tag der neuen Zeitrechnung in der LMU-Klinik für Anaesthesiologie.