Funktionelle / dissoziative Anfälle (FDS)
Über die Erkrankung
Funktionelle Anfälle – auch als dissoziative oder psychogene nicht-epileptische Anfälle bezeichnet – können äußerlich epileptischen Anfällen sehr ähnlich sein. Im Unterschied zur Epilepsie werden sie jedoch nicht durch eine epileptische Aktivität im Gehirn ausgelöst. Die Anfälle treten häufig im Zusammenhang mit Stress, emotionaler Überforderung oder belastenden Lebensereignissen auf und können für Betroffene mit erheblichem Leiden, Verunsicherung und Einschränkungen im Alltag verbunden sein.
Viele Patient:innen erleben bis zur korrekten Diagnosestellung einen langen und belastenden Weg mit wiederholten Untersuchungen, Krankenhausaufenthalten und teilweise unwirksamen Behandlungen. Auch nach der Diagnose bestehen häufig Unsicherheiten hinsichtlich der Ursachen der Anfälle, geeigneter Therapieangebote und einer langfristigen Versorgung. Zwar stehen psychotherapeutische und psychosoziale Behandlungsansätze zur Verfügung, jedoch sind diese nicht für alle Betroffenen gleichermaßen zugänglich oder wirksam, und strukturierte Versorgungsangebote sind bislang begrenzt.
Unser Forschungsansatz
Mit unseren Forschungsprojekten im Bereich funktioneller/dissoziativer Anfälle verfolgen wir das Ziel, das Verständnis dieser Erkrankung zu vertiefen und die Versorgung von Betroffenen nachhaltig zu verbessern. Dabei stehen drei zentrale Aspekte im Vordergrund:
- ein besseres Verständnis der Entstehung und des Verlaufs funktioneller Anfälle,
- die systematische Erfassung der Erfahrungen, Belastungen und Bedürfnisse der Betroffenen,
- sowie die Entwicklung und Optimierung patient:innenorientierter, interdisziplinärer Versorgungsstrukturen.
Diese Fortschritte wären ohne die Bereitschaft von Patient:innen zur Teilnahme an Forschungsprojekten nicht möglich. Eine Studienteilnahme kann dazu beitragen, neue Erkenntnisse zu gewinnen und zukünftige Diagnostik- und Therapieangebote gezielter und bedarfsgerechter zu gestalten.
Aktuelle Studien
Die NEBEL-Studie
In der NEBEL-Studie (Versorgungsoptimierung bei funktionellen / dissoziativen Anfällen) möchten wir Menschen mit funktionellen Anfällen besser unterstützen und die Versorgung nachhaltig verbessern. Dafür untersuchen wir Patient:innen mit funktionellen Anfällen, mit Epilepsie sowie mit beiden Anfallsformen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede besser zu verstehen und daraus konkrete Verbesserungen für Diagnostik und Behandlung abzuleiten.
Als Teilnehmende*r profitieren Sie von einer strukturierten und sorgfältigen Einordnung Ihrer Anfälle. Ziel der Studie ist es, zu einem besseren Verständnis Ihrer Symptome beizutragen, Sie bei der diagnostischen Klärung zu unterstützen und – falls sinnvoll – individuelle Hinweise zu weiteren diagnostischen Untersuchungen oder therapeutischen Möglichkeiten zu geben. Darüber hinaus bietet die Studienteilnahme Raum, eigene Erfahrungen mit Anfällen, dem Alltag und dem Gesundheitssystem einzubringen.
Im Rahmen der Studie werden standardisierte Fragebögen, medizinische Untersuchungen aus der Routineversorgung sowie – bei einem Teil der Teilnehmenden – vertiefende Gespräche eingesetzt. Zusätzlich prüfen wir innovative Versorgungsansätze, etwa den Einsatz diagnosebezogener Notfallarmbänder, die im Alltag mehr Sicherheit geben und Missverständnisse in Notfallsituationen reduzieren sollen.
Die Teilnahme ist freiwillig, mit keinen zusätzlichen Kosten verbunden und kann jederzeit beendet werden. Auch wenn bislang nur der Verdacht auf funktionelle Anfälle besteht, ist eine diagnostische Abklärung und Beratung bei uns möglich.
Durch Ihre Teilnahme leisten Sie zudem einen wichtigen Beitrag dazu, die Versorgung von Menschen mit funktionellen Anfällen langfristig zu verbessern.
Interesse an einer Teilnahme?
Weitere Informationen finden Sie in unserem Studienflyer.
Bei Fragen oder Interesse kontaktieren Sie uns gerne:
📧 Psy.Nebel@med.uni-muenchen.de | ☎️ 089 4400-53370